Wetter-Schweiz: Höhentief - gekommen um zu bleiben?

Fühlt sich das Wetter für Sie auch irgendwie festgefahren an?

Grund dafür ist ein mächtiges Höhentief, welches sich quasi stationär über der Schweiz und dem Umland befindet.

Im Unterschied zu einem Bodentief ist ein Höhentief ein Gebiet tiefen Luftdrucks in der Höhe. Dieses erkennt man nicht unbedingt auf den Wetterkarten, die in den Tageszeitungen abgedruckt sind, da diese nur die Druckverhältnisse am Boden darstellen. Gleich ist jedoch die Beeinflussung der Luftmasse: Um ein Tief wird Luft gegen den Uhrzeigersinn, um ein Hoch im Uhrzeigersinn geführt. Schaut man sich eine Karte mit den Hoch- und Tiefdruckgebieten in der Höhe an, kann man relativ einfach erkennen, aus welcher Richtung die Höhenströmung kommt und somit auch, welche Eigenschaften die Luftmasse hat.

Die Schweiz liegt meist im Einflussbereich der Westwindzone, dadurch ziehen die meisten Hoch- und Tiefdruckgebiete von West nach Ost. Bodentiefs entwickeln sich besonders gut, wenn sie vorgelagert eines Höhentiefs entstehen.


Satellitenbild von 11 Uhr lokaler Zeit mit überlagerten Druckflächen.

Wie in der Abbildung zu sehen ist, sorgt das Höhentief über dem Süden Frankreichs aktuell für eine südöstliche Anströmung aus dem Mittelmeerraum. Die herangeführte Luft ist tendenziell feucht und eher kühl. Zusammen mit der schon deutlich spürbaren Sonneneinstrahlung (der Sonnenstand ist Mitte Mai in etwa so hoch wie Ende Juli) entstehen in der instabilen Luft immer wieder kurze, kräftige Schauer und vereinzelt auch Gewitter.

In den nächsten Tagen wird sich an der groben Struktur nichts ändern. Das Höhentief verlagert sich langsam südwärts und wird am Sonntag ein Zentrum über dem Ligurischen Meer haben. Anschliessend organisiert es sich neu: Das Zentrum liegt am Montag über der Strasse von Sizilien, bevor es sich zurück in den Norden Italiens verlagert. Weiterhin wird mit einer östlichen bis südöstlichen Strömung immer wieder feuchte Luft in die Schweiz transportiert.


Animation der Entwicklung der Hoch- und Tiefdruckgebiete auf 500 hPa (~ 5.500 m).

Unterstützt wird dies durch ein zweites Höhentief, welches sich zu Beginn der Woche von Schottland über den Ärmelkanal bis nach Zentralfrankreich verlagert. So bleibt es in der Schweiz in den nächsten Tagen verbreitet bewölkt bei nur wenigen Sonnenstunden und Bise. Auch Schauer sind immer wieder dabei, örtlich mit Gewittern.

Ein Blick auf die Ensemble-Prognose für den Niederschlag stützt diese These:


Gegenüberstellung von verschiedenen Ensemble-Rechnungen für die Regenmenge in Zürich. (Grafik: ECMWF)

Ensemble-Vorhersagen

Unter einem Ensemble versteht man verschiedene Rechnungen eines Wettermodells für die Zukunft, welche mit leicht unterschiedlichen Startwerten durchgeführt werden. So können beispielsweise die Lufttemperatur, die Feuchte und der Luftdruck leicht verändert werden, bevor das Modell gestartet wird. Da der Anfangszustand nie genau bekannt ist wird so eine Abschätzung möglich, wie zuverlässig die Prognose für die nächsten Tage sein wird.

Bis einschliesslich Mittwoch rechnen verschiedene Modelle immer wieder mit Niederschlägen. Pünktlich zu Auffahrt, so schaut es auf jeden Fall aktuell aus, nimmt die Neigung zu Niederschlägen ab. Somit könnten die Tage ab dem Donnerstag deutlich freundlicher werden – genaueres lässt sich aber erst zu Beginn der nächsten Woche sagen.


Satellitenbild überlagert mit der Druckverteilung auf 500 hPa (~5.500 m).

 

Quelle: Bundesamt für Meteorologie MeteoSchweiz / Höhentief – gekommen um zu bleiben? – MeteoSchweiz (admin.ch)
Titelbild: Bundesamt für Meteorologie MeteoSchweiz