Schweizer Armee: Mit 20 Jahren führt Nirwan Obrecht bereits mehr als 70 Menschen

Andere in seinem Alter reisen, beginnen ein Studium oder geniessen nach der Matura erst mal ihre Freiheit.

Nirwan Obrecht wählte einen anderen Weg: Fast zwei Jahre verbrachte der 20-jährige Zürcher am Stück in der Schweizer Armee. Aus einem jungen Mann, der ursprünglich einfach seinen Militärdienst leisten wollte, wurde ein Oberleutnant, der mehr als 70 Menschen führte. Und der heute sagt: „Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.“

Geplant war das alles nicht. Nirwan Obrecht besuchte an der Kantonsschule Zürcher Unterland das musische Profil, spielte Klavier, sang und betrieb Kampfsport.

Ursprünglich wollte er Soldat bleiben. Dann bot sich ihm die Möglichkeit weiterzumachen. Obrecht nahm die Herausforderung an, wurde Wachtmeister und später Offizier.

Was folgte, war mehr als militärische Ausbildung. Obrecht und seine Leute unterstützten die Grenadiere bei Übungen, standen am Ski-Weltcup im Einsatz und arbeiteten während des World Economic Forum in Davos mit der Polizei zusammen. Vor allem aber lernte der junge Offizier Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen, die auch andere betreffen.



Mut zum Entscheiden

Mit gerade 20 Jahren führte er zeitweise über 70 Menschen. Seine Entscheide hatten Konsequenzen für einen ganzen Zug. „Ich muss einfach machen, ich muss probieren, ich treffe einen Entscheid, sehe die Konsequenz und dann reflektiere ich“, beschreibt er eine seiner wichtigsten Lektionen. Diesen Mut zum Entscheiden werde er später im zivilen Leben brauchen.

Nicht Strenge, sondern Empathie

Obrecht entspricht nicht dem Klischee des autoritären Offiziers. Als frisch beförderter Leutnant habe er zunächst geglaubt, streng auftreten zu müssen. Schnell merkte er: Das bin ich nicht. Seine Stärke liegt in der Empathie, Zugänglichkeit und Authentizität. Respekt, so seine Erkenntnis, muss nicht durch Distanz entstehen.

Musste nach einem langen Einsatz noch die Panzerhalle gereinigt werden, nahm Obrecht selbst auch den Besen in die Hand: Führung durch Vorbild statt durch Rang. Gleichzeitig versuchte er, seinen Zug zu einer Gemeinschaft zu formen. Jeder sollte sich gleichbehandelt fühlen, jeder sollte wissen, sein Beitrag zählt. Zuhören, Geduld und Ehrlichkeit wurden zu seinen Führungsinstrumenten.

Auch schwierige Phasen sind lehrreich

Die zwei Jahre waren nicht einfach. Es gab Phasen mit zwei oder drei Stunden Schlaf, Tage unter ständigem Druck und Momente, in denen er nicht mehr mochte. Doch gerade darin lag für Obrecht der Wert dieser Zeit. Abends fragte er sich: Was lief gut, was nicht, was kann ich morgen besser machen?

Nirwan Obrechts durfte früh erfahren, was viele erst später lernen: Menschen kann man nicht allein mit Befehlen führen. Man muss ihnen zuhören, ihnen vertrauen, Entscheidungen treffen – und bereit sein, sich selbst zu hinterfragen.

Zukunftspläne

Nun wartet auf Obrecht ein Praktikum in Indien, dann beginnt er ein BWL-Studium an der Universität St. Gallen. Der Übergang sei speziell, sagt er. Fast zwei Jahre habe er sich mit seiner Uniform und seiner Rolle als Offizier identifiziert. Nun beginne er zivil wieder von vorne.

Doch er nimmt etwas Wichtiges mit; die Erfahrung, Verantwortung getragen, Fehler gemacht, Menschen geführt – und jeden Tag etwas über sich selbst gelernt zu haben.

Sein Rat an andere junge Menschen: Geht euren Weg mit der Offenheit, Neues zu lernen. Denn Zeit kann man absitzen oder nutzen, um an ihr zu wachsen.

 

Quelle: Schweizer Armee/Kommunikation Verteidigung, Mathias Müller/von KI unterstützt
Bildquelle: © VBS/DDPS